Bewirtschafter der Bergmähwiesen

Die Bewirtschafter der Bergmähwiesen tragen mit ihrer Arbeit und ihrer Liebe für die Natur maßgeblich dazu bei, dass die Artenvielfalt der Wiesen erhalten bleibt. Denn die Bergmähwiesen sind ein von Menschen gemachter Lebensraum für Pflanzen- und Insektenarten. Ohne die Bewirtschaftung würden diese Flächen verloren gehen und wertvolle Pflanzenarten verdrängt. Vor allem die traditionelle Form der Bewirtschaftung der Bergmähwiesen ist besonders umweltfreundlich. Dabei können die Flächen jedoch nur ein bis zweimal pro Jahr gemäht werden und die Landwirte erzielen so nur ein geringes Einkommen von den Wiesen. Daher unterstützt „Nähe ist gut“ die Bewirtschafter, damit sie sich auch weiterhin für den Erhalt der Bergmähwiesen einsetzen können.

 

Wir möchten Ihnen im Folgenden ein paar Bewirtschafter der Vogelsberger Bergmähwiesen vorstellen und Ihnen Einblicke in ihren Alltag, und die Arbeit gewähren. Sie stehen stellvertretend für viele weitere engagierte Menschen.

Familie Muth aus Grebenhain

„Es ist unglaublich schön zu sehen, wie aus einer zugewucherten Fläche wieder eine Bergmähwiese mit besonderer Artenvielfalt entsteht.“

Uta Muth (links) und ihre Tochter

Uta Muth

 

„Die Arbeit mit Naturschutzflächen war uns von Anfang an besonders wichtig. Die umfangreichen Auflagen stellten uns zwar zunächst vor ordentliche Herausforderungen, aber inzwischen bearbeiten wir zahlreiche Bergmähwiesen für das Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg. Unsere Ziegen fressen die Hecken zurück und die Kühe lockern die Erde auf - alles ganz natürlich. Unsere eigene Wiese ist inzwischen sogar zu einer Bergmähwiese der besten Kategorie A hochgestuft worden. Das macht uns stolz und beweist, dass wir vor so vielen Jahren den richtigen Weg eingeschlagen haben.

Unsere Arbeit mit den für die Bergmähwiesen so wichtigen Tieren begann vor über 20 Jahren: mein Mann und ich wollten schon lange nebenberuflich in der Natur arbeiten. Damals kauften wir über eine Zeitungsanzeige unsere ersten drei Shetlandponys. Seitdem ist der Hof stetig gewachsen und heute stehen Ziegen, Esel, Wasserbüffel, Ammekühe mit ihrem Nachwuchs, Haflinger, Shetlandponys und Hühner auf unseren Wiesen. Die Arbeit mit den Tieren und das Kuscheln mit ihnen schätzen wir sehr. Wer hätte schließlich gedacht, dass Wasserbüffel so viel Zuneigung benötigen? In der Region bekannt geworden sind wir aber vor allem für unsere Shetlandponys und Haflinger und für die erfolgreiche Fohlenzucht.

Die Nachfrage nach Kindergeburtstagen ist groß. Dabei zeigen wir den Kindern am Boden, wie man bewusst mit den Tieren umgeht und wie viel Arbeit mit der Pflege verbunden ist. Unsere beiden Esel werden inzwischen sogar als Fotoshooting-Stars bei Hochzeiten gebucht. Als Sozialpädagogin arbeite ich aber auch Tier-therapeutisch mit Kindern und Jugendlichen. Die Nähe und Ruhe der Tiere ermutigt Kinder, sich ihnen anzuvertrauen, und kann Angstzustände reduzieren. Ein Junge hat im Umgang mit unseren Tieren so viel Selbstvertrauen zurückgewonnen, dass er nach einigen Monaten wieder anfing zu sprechen und inzwischen sogar erfolgreich sein Studium abgeschlossen hat.“

Familie Groh aus Ulrichstein

„Jede Wiese ist einzigartig. Diese Abwechslung ist großartig, auch wenn sie uns oft die Arbeit erschwert. Aber diese machen wir mit Herzblut bereits in der vierten Generation.“

Frank Groh (rechts) und seine Söhne

Frank Groh

 

„Wir führen unseren Hof bereits in der vierten Generation und machen das mit Herzblut. Die wunderschöne Lage im Vogelsberg macht unsere Arbeit besonders abwechslungsreich und lässt uns das Schöne in den einfachen und natürlichen Dingen sehen. Wir genießen die Arbeit in der Natur, aber die Auflagen werden immer höher und die Anzahl der Betriebe nimmt ab. So muss jeder seine Nische finden. Die Generation meiner Eltern verfolgte das Ziel, den Betrieb auszuweiten und größere Mengen zu produzieren. Ich habe den Fokus hingegen auf eine nachhaltigere Landwirtschaft gelegt. Unsere Kühe erhalten auf 200 Hektar Grünfläche zu einhundert Prozent Bergmähwiesenfutter. Deshalb schätzen wir die Bergmähwiesen vor allem für ihre wertvollen Gräser.

Den großen Teil der Milch verkaufen wir. Aber vor einem Jahr haben wir angefangen, auch eigenen Gouda zu produzieren. Das Produkt wird sehr gut angenommen, mittlerweile gibt es Käse mit Bockshornklee, Chili und Bärlauch. Im Moment testen wir die Herstellung von eigenem Frischkäse. Den Käse verkaufen wir einmal pro Woche direkt auf unserem Hof oder über andere Partner in der Region, wie zum Beispiel die Vogelschmiede an der Herchenhainer Höhe.

Der Hof ist ein absolutes Familienprojekt. Meine drei Jungs helfen wo sie können und machen das mit Begeisterung. Der Große ist der Techniker, der gut mit den Maschinen umgehen kann. Die beiden Zwillinge ergänzen sich – Noah plant die Arbeitsschritte und Elias führt sie aus. Die Grundlagen für einen zukunftsfähigen Betrieb haben wir somit geschaffen. Wir freuen uns jeden Tag über diesen Beitrag zu einer intakten Natur.“

Familie Löffler aus Grebenhain

„Wir betreiben tagtäglich Naturschutz. Ohne unsere Arbeit hätten wir hier im Vogelsberg nur Heckenlandschaften.“

Andreas Löffler und Esther Waldeck

Andreas Löffler

 

„Wir führen eine traditionsbewusste Landwirtschaft und legen sehr viel Wert auf regionale Erzeugnisse und eine gute Milchqualität. Die Gräser der Bergmähwiesen sind für uns eine wertvolle Futterquelle mit besonderer Vielfalt und Qualität, die sich auf die Milch unserer Kühe überträgt. Nicht die Höchstleistung der Kuh ist für uns entscheidend, sondern die Qualität der Milch. Als absoluter Technik-Fan bereitet es mir aber auch große Freude, den Betrieb immer auf dem neuesten Stand zu halten.

Meine Familie hatte schon immer einen Milchviehbetrieb. Gemeinsam mit meinen beiden Brüdern bin ich auf dem Hof aufgewachsen und später als Landwirtschaftsmeister in den Familienbetrieb mit eingestiegen. Viele landwirtschaftliche Betriebe gaben Ende der 1990er durch den Strukturwandel ihre Betriebe auf. Wir haben unsere Milchviehhaltung in dieser Zeit von 42 auf 140 Milchkühe ausgebaut und auch unsere Bewirtschaftungsflächen inklusive der Bergmähwiesen erweitert. Seitdem hat sich unser Betrieb ständig weiterentwickelt, auch durch den Einstieg meiner Brüder. Wir bieten land- und forstwirtschaftliche Lohnarbeiten an und führen kommunale Dienstleistungen durch.

Das Interesse an regionalen Produkten wächst, vor allem bei der jüngeren Generation. Auf unserem Hof können Besucher in der „Vogelsberger Frischmilchquelle“ frische Milch, Eier, Wurst, Käse, Honig, Marmelade und Kuhmilchseife kaufen. Die Holzhütte und der Milchautomat sind jederzeit zugänglich und die Produkte werden über Selbstbedienung verkauft. Bewohner aus den Nachbarorten können den „Lieferservice für Regionalprodukte“ nutzen. Familien mit Kindern kommen besonders gerne zu uns, um einen Blick auf die Tiere im Stall zu werfen und beim Melken zuzusehen. Den Großteil unserer Milch verkaufen wir seit über 20 Jahren an die Schwälbchen Molkerei in Bad Schwalbach.

In diesem Jahr wollen wir mit der eigenen Herstellung von Käse beginnen. Meine Lebensgefährtin freut sich schon sehr auf dieses Projekt und hat sogar ihre Arbeitsstelle aufgegeben, um sich voll und ganz darauf konzentrieren zu können. Bei so einem Familienbetrieb ist es schön, wenn die Partnerin die eigene Leidenschaft für die Landwirtschaft teilt. Spätestens im Frühsommer wird der neue Käse auf unserem Hof verkauft.“